Bodenarbeit

"Reitkunst beginnt am Boden." (Egon v. Neindorff)

Ohne unser Gewicht, das das Pferd zusätzlich noch ausbalancieren muß, können wir unserem Pferd viel, wenn nicht alles "von unten" beibringen, was wir "von oben" einmal wollen. Die Arbeit vom Boden aus ist daher die Basis, insbesondere die Arbeit, die wir akademische Bodenarbeit nennen: Wir gehen dabei rückwärts vor dem Pferd her, je nachdem direkt vor oder leicht seitlich vom Kopf des Pferdes. 

Dabei ist für den Geübten der Übergang zur akademischen Longenarbeit (seitlich neben dem Pferd mit mehr oder weniger Distanz) jederzeit möglich, genauso der Wechsel in die Langzügelposition (seitlich hinter dem Pferd). Am Anfang widmen wir uns aber in aller Ruhe jeder Arbeitsposition für sich allein, bis wir unseren "Werkzeugkoffer" gut genug gefüllt und sortiert haben: Dann werden wir irgendwann blind hineingreifen können und dabei (fast) immer das richtige Werkzeug greifen können -- um einmal in diesem Bild zu bleiben.

Longen- oder Handarbeit (seitlich dicht neben dem Pferd mit zwei oder vier Zügeln wie bei der gerittenen Arbeit) bzw. crossover-Langzügelarbeit kann zwar je nach Pferd und Augenblick zumindest zeitweise das bessere Mittel sein. Die Bodenarbeit bleibt aber grundlegend ein wichtiges "Werkzeug". Unter crossover-Langzügelarbeit ist dabei zuverstehen nicht die übliche Langzügelarbeit mit rechts und links eingeschnalltem Zügel, sondern mit "nur einem Zügel", der wie zur Longenarbeit im mittleren Kappzaumring eingeschnallt ist. Der zweite Zügel wird punktuell durch die Gerte simuliert, sofern nötig. Diese Arbeitsposition muß freilich sorgfältig und Schritt für Schritt erarbeitet werden und fällt eher in den fortgeschrittenen Bereich der Arbeit, die ohne eine gute Basis nicht funktioniert.

Das meist ungewohnte Rückwärtsgehen kann für den Einsteiger anfänglich eine kleine Hürde sein, aber es lohnt sich in jeder Hinsicht: Für uns Menschen eine wunderbare Übung für Koordination, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und Schulung der Sinne insgesamt erlaubt diese Arbeit uns, unser Pferd von vorne bis hinten im Blick zu haben beim Erarbeiten der Übungen und über das Auge Schritt für Schritt sehen zu lernen, was wir später "nur noch" fühlen können.